Biologe, Science Slammer und Autor Dr. David Spencer im Interview über neue genomische Techniken (NGT) und Wissenschaftskommunikation.

Was ist gute Wissenschaftskommunikation?

Gute Wissenschaftskommunikation schafft es, komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge auf eine einfache Sprache herunterzubrechen, die man zielgruppengerecht entweder Laien, interessierten Laien oder auch Politik und Gesellschaft näher bringen kann – ohne dabei Details zu verlieren, die man braucht, um vernünftig diskutieren zu können.

Wieso ist Wissenschaftskommunikation zu Pflanzenbiotechnologie so wichtig?

Themen wie Pflanzen, Ernährung oder Landwirtschaft sind hoch emotional und werden intensiv diskutiert, gerade von Menschen, die nicht aus dem Fach kommen. Deshalb ist Wissenschaftskommunikation besonders wichtig, damit alle gut informiert an Diskussionen teilnehmen können. In Zeiten der Informationskrise, in denen man oft nicht weiß, woher man verlässliche Informationen beziehen soll, kommt ihr eine entscheidende Rolle zu.

Was kann die Politik von der Wissenschaftskommunikation lernen?

Es ist wichtig, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erklären, was sie tun, warum sie es tun und warum es für die Gesellschaft relevant ist. Wissenschaft darf nicht mehr hinter verschlossenen Türen stattfinden – das ist mittlerweile in allen Branchen angekommen. Für Deutschland als wichtigen europäischen Standort, der viele Innovationen hervorbringt, bedeutet das auch, mutig voranzugehen und zu zeigen, welchen Nutzen diese Innovationen haben können.

Das gilt zum Beispiel für die Züchtung, aber auch für andere Bereiche wie Mobilität oder Künstliche Intelligenz. Deutschland betreibt viel Grundlagenforschung, doch oft fehlt der mutige Schritt, den gesellschaftlichen Nutzen der Innovationen klar zu kommunizieren. Hier wäre mehr Offenheit und Mut wünschenswert.

Welche Bedeutung hat die Wissenschaftskommunikation für unsere Demokratie?

Für unsere Demokratie ist Wissenschaftskommunikation essenziell. Wer sich eine fundierte Meinung bilden möchte, braucht Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dieser Zugang bedeutet nicht nur, Daten und Ergebnisse öffentlich und frei zugänglich zu machen, sondern auch, sie so aufzubereiten, dass sie für alle verständlich sind – ohne dass man erst eine Vielzahl an Fachbegriffen googeln muss. Wissenschaftskommunikation bringt Inhalte auf ein Niveau, auf dem alle Menschen mitdiskutieren können. Sie ist daher ein unverzichtbares Werkzeug für den demokratischen Diskurs.

Wie kann Wissenschaftskommunikation die Ängste der Verbraucher:innen mindern?

Gerade in Zeiten der Informationskrise kann Wissenschaftskommunikation ein Fels in der Brandung sein. Viele Menschen informieren sich über soziale oder traditionelle Medien. In Bereichen wie Pflanzenzüchtung, Landwirtschaft oder Gentechnik ist es daher besonders wichtig, die Fakten auseinanderzuhalten: Geht es darum, dass eine Technologie an sich problematisch ist, oder um Fragen wie „Woher kommt mein Essen?“ oder „Wie steht es um Patente?“. Solche Aspekte müssen getrennt betrachtet werden, um nicht unterschiedliche Themen zu vermischen.

Neue Technologien bringen oft einen Dualismus mit sich: Sie können großen Nutzen stiften, aber auch missbraucht werden. Deshalb ist es wichtig, diese Chancen und Risiken besonnen zu diskutieren und die Fragen der Menschen ernst zu nehmen.

Wie sehen Sie den aktuellen Stand der Diskussionen zu NGT?

Allgemein wäre es wünschenswert, wenn die verschiedenen Sektoren anerkennen, dass moderne Züchtungstechnologien nicht mit der klassischen Gentechnik gleichzusetzen sind, und positiv über entsprechende Gesetzesvorschläge abstimmen. Nur so lässt sich der Weg für Innovationen in der Pflanzenzüchtung freimachen – damit wir auch künftig Pflanzen entwickeln können, die dem Klimawandel gewachsen sind, die den Farm to Fork Zielen entsprechen und eine nachhaltigere Landwirtschaft ermöglichen.

Ihr Tipp für Wissenschaftler:innen, um möglichst viele Menschen zu erreichen?

Alle, die in der Pflanzenforschung arbeiten, haben etwas, das sie an ihrem Projekt besonders fasziniert: sei es die Pflanze selbst, ein kleiner Mechanismus, den sie untersuchen, oder eine neue Methode. Oft geht es um kleine, spezifische Vorgänge. Diese Begeisterung sollte man in ein großes Bild einbetten und in einer Sprache vermitteln, die jeder versteht. Auf diese Weise lässt sich die Faszination leicht transportieren – unabhängig davon, ob das Gegenüber vom Fach ist oder nicht. Genau das passiert bereits an vielen Stellen, und es ist erfreulich zu sehen, wie immer mehr Menschen in sozialen und klassischen Medien über Themen der Pflanzenforschung sprechen.


👉 Was denken Sie? Sollte Wissenschaft für die breite Öffentlichkeit verständlicher und transparenter kommuniziert werden?

👉 In welchen wissenschaftlichen Bereichen wünschen Sie sich mehr Offenheit und Dialog?

Für Wissen und News rund um Züchtungsinnovationen in der Landwirtschaft folgen Sie uns auf LinkedIn, X und Bluesky.

Privacy Preference Center