
Welche Vorteile haben Neue Genomische Techniken (NGTs), wie stehen die Parteien dazu und welche Maßnahmen fordern wir?
Die europäische Landwirtschaft steht unter Druck: Klimawandel, Ressourcenknappheit und Nachhaltigkeitsziele erfordern Innovationen – diese tragen zur nachhaltigen Ernährungssicherung sowie zur Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftlichen Stabilität landwirtschaftlicher Betriebe bei. Eine nachhaltige Lösung muss her.

Moderne Züchtungsmethoden – wichtig für den Werkzeugkasten
Seit Jahrzehnten werden Nutzpflanzen genetisch verändert, um sie widerstandsfähiger gegen Klimastress und Krankheiten zu machen. Dabei entwickelt sich die Pflanzenzucht stetig weiter. Während früher Mutationen durch Bestrahlung oder chemische Prozesse zufällig erzeugt wurden, ermöglichen moderne Methoden wie die Genom-Editierung heute eine sehr gezielte Veränderung des Erbguts, die genauso auch in der Natur vorkommen kann.
Die Vorteile, die sich dadurch ergeben, sind vielfältig:
- Schnellere Anpassung an den Klimawandel
- Vermeidung/Minimierung unerwünschter Veränderungen
- Geringerer Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln auf einer kleineren Anbaufläche
- Höhere Erträge und verbesserte Lebensmittelqualität
- Geringerer Wasserbrauch und Anpassung an regionale Bedingungen
Diverse wissenschaftliche Institutionen, darunter auch die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, betonen immer wieder das Potenzial von NGTs:
„Neue molekulare Züchtungstechniken erlauben eine bisher nie dagewesene Präzision und Effizienz in der Verbesserung von Nutzpflanzen. Dieses Potenzial sollte zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele ausgeschöpft werden.“

Der politische Status quo:
In Europa unterliegen NGTs dem strengen Gentechnikrecht, wodurch Zulassungsverfahren langwierig und kostspielig sind. Trotz zahlreicher Studien, die kein höheres Risiko für Mensch und Umwelt im Vergleich zu konventionellen Züchtungen nachweisen, gilt hier das Vorsorgeprinzip.
Seit Juli 2023 liegt ein Vorschlag zur Überarbeitung der Regulierung vor, der sich nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen richtet, bisher jedoch auf Eis liegt:
NGT-1-Pflanzen, die durch Genom-Editierung erzeugt wurden und vergleichbare genetische Veränderungen aufweisen wie konventionelle Züchtungen, sollen von aufwändigen Risikoprüfungen ausgenommen werden. Eine Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel und Futtermittel aus NGT-1-Pflanzen ist dabei nicht vorgesehen, da die entstandenen Mutationen ebenso natürlichen Ursprungs sein könnten.
Wahl 2025 – wie stehen die Parteien zu NGTs?
Im aktuellen Wahlprogramm zur Bundestagswahl am 23.02.25 äußern sich die meisten Parteien nur vereinzelt zum Thema NGTs in der Landwirtschaft.
- BSW & DIE LINKE lehnen eine Einführung kategorisch ab.
- SPD nimmt keine Stellung zum Thema.
- CDU/CSU befürwortet „Smart Breeding“ und eine praxistaugliche Regulierung Neuer Züchtungsmethoden.
- FDP spricht sich für NGTs aus.
- Die Grünen lehnen die Technologie nicht grundsätzlich ab, fordern jedoch eine Kennzeichnungspflicht.
Forderung an die Politik: Wissenschaft statt Ideologie
Die politische Zurückhaltung gegenüber den Neuen Genomischen Techniken bremst den wissenschaftlichen Fortschritt und gefährdet Innovation und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft. Statt Blockaden braucht es wissenschaftsbasierte Entscheidungen und innovationsfreundliche Rahmenbedingungen.
Die Politik muss:
- NGTs praxistauglich regulieren und sich dabei an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren,
- Investitionen in Forschung und Innovation durch entsprechende Rahmenbedingungen fördern sowie
- den gesellschaftlichen Dialog fördern und sachlich über Vorteile und Risiken für Umwelt, Landwirtschaft und Wirtschaft aufklären.
Welche Rolle sehen Sie für NGTs in der Zukunft der deutschen Landwirtschaft?
Wie kann die öffentliche Debatte zu NGTs sachlicher und faktenbasierter gestaltet werden?
Quellen
- swiss.food: https://swiss-food.ch/artikel/katastrophale-weizenernte-schlechtes-wetter-und-einschraenkungen-beim-pflanzenschutz
- transgen: https://www.transgen.de/aktuell/2880.ngt-regulierung-eu-kommission-crispr-gentechnik.html
- Science Cops (ab Minute 31:00): https://www.youtube.com/watch?v=JS3QTljfoJM
- Informationsdienst Gentechnik: https://www.keine-gentechnik.de/nachricht/bundestagswahl-2025-was-die-parteien-zur-gentechnik-sagen
